{"id":11179,"date":"2017-08-10T15:58:06","date_gmt":"2017-08-10T13:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/?p=11179"},"modified":"2017-08-10T15:58:06","modified_gmt":"2017-08-10T13:58:06","slug":"der-chronist-und-die-frauen-von-damals-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/?p=11179","title":{"rendered":"Der Chronist und die Frauen von damals und heute"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/garana.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-11180\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/garana.jpg\" alt=\"garana\" width=\"520\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/garana.jpg 520w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/garana-160x62.jpg 160w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/garana-163x63.jpg 163w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><\/a>Was Altlehrer Adam Krapfl 1880 G\u00fcltiges \u00fcber die Deutschb\u00f6hmen notiert hat und was Deutschb\u00f6hminnen von heute an Wolfsberg sch\u00e4tzen (1)<\/strong><strong>\u00a0\u00a0<\/strong>(Von Werner Kremm)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_001.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11181\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_001-107x160.jpg\" alt=\"simp_001\" width=\"107\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_001-107x160.jpg 107w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_001-109x163.jpg 109w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_001.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><\/a>\u201eSo wenig Einladendes das Dorf an und f\u00fcr sich hat, so liebt es der Weidenthaler mit seltener Anh\u00e4nglichkeit, und es ist eher eine Zuwanderung als eine Wegwanderung zu verzeichnen\u201c, schreibt einer der Chronisten von Weidenthal, Altlehrer Adam Krapfl (die anderen beiden konsekrierten Chronisten waren Peter Gra\u00dfl und Josef Schmidt), der seine Pensionszeit, nach langj\u00e4hriger Lehrert\u00e4tigkeit in Weidenthal, in Ternitz in Nieder\u00f6sterreich verbrachte und seine Chronik 1880 abschloss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Krapfl, der zur ersten Generation der am Bergr\u00fccken unterm Semenik geborenen Deutschb\u00f6hmen geh\u00f6rt und ihre Ansiedlungssaga noch aus erster Hand, von Eltern und Gro\u00dfeltern, erfuhr (sp\u00e4tere Chronisten, etwa Pfarrer Josef Schmidt in seiner umfassenden \u201eChronik der Deutschb\u00f6hmen aus dem Banate\u201c, haben sich bei ihm ausgiebig \u201ebedient\u201c, ohne ihn zu zitieren), war ein aufmerksamer Beobachter seiner Mitb\u00fcrger, deren \u201eGrundcharakter\u201c er umschreibt mit: \u201eim starken Mannesleibe ein zartes Herz\u201c.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Deutschb\u00f6hme, nach Adam Krapfl<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr f\u00fchlt sich am wohlsten, wenn er gut und milde sein kann\u201c, meint Krapfl \u00fcber seine m\u00e4nnlichen Mitb\u00fcrger, und positioniert sich damit unisono mit den talw\u00e4rts wohnenden Rum\u00e4nen: \u201eAu to]i inima buna, sunt to]i de traiu bunu\u201c, zitiert sie Krapfl in ihrer Sprache.<br \/>\nKrapfl geht aufs starke Individualisierungsbestreben der Deutschb\u00f6hmen ein (\u201eder Weidenthaler ertr\u00e4gt das Zusammenwohnen mit mehreren Familien, Br\u00fcdern oder Schwestern nicht und trachtet, wie m\u00f6glich, eine eigene, nur ihm geh\u00f6rende Wirtschaft zu gr\u00fcnden\u201c \u2013 daher auch der schwer ertr\u00e4gliche Zwang der Grenze zur \u201eHauscommunion\u201c, das erzwungene Zusammenleben in Familienverb\u00e4nden, um den Unterhalt einger\u00fcckter \u2013 \u201einrollierter\u201c \u2013 m\u00e4nnlicher Familienmitglieder und deren Ausr\u00fcstung zu bestreiten, bzw. ihre Abwesenheit als Arbeitskr\u00e4fte in der Wirtschaft zu kompensieren \u2013 was akut war w\u00e4hrend der Kriege von 1848-49, 1854 und 1866, als bis zu 100.000 Grenzsoldaten im Feld standen). Und er beweist seine Beobachtungen durch\u00b4s konkrete Aussehen der D\u00f6rfer: \u201e&#8230;die vielfach geteilten Wirtschaften im Dorfe beweisen es zur Gen\u00fcge\u201c, meint er. \u201eDarum war das Gr\u00e4nzsistem ein bitteres Gesetz f\u00fcr alle: man konnte sich in das Communalleben nicht finden, als sich die Familien vergr\u00f6sserten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Charaktereigenschaften der Deutschb\u00f6hmen z\u00e4hlt Adam Krapfl die Weichherzigkeit, die Bereitschaft zum Verzeihen, aber auch das Aufbrausende, die Liebe zu Tanz und Geselligkeit (Krapfl zitiert einen hier entstandenen Vierzeiler: \u201eDoert sitz a, dourt loant a\u00b4r\/ Wenn man\u00b4n onschaut so woant a\u00b4r\/ Warum woant a\u00b4r so?\/ Weil\u00b4r\u00b4s Tanzen n\u00f6t konn!\u201c), Derbheit, \u201eaber selten etwas Beleidigendes\u201c, Liebe zu Musik und Gesang, Witz und Gewitztheit, Treue, zum gegebenen Wort stehen (\u201ees gilt noch der Handschlag\u201c), tiefe Gl\u00e4ubigkeit, \u201eunerm\u00fcdlich bei der Arbeit\u201c sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Chronist \u00fcber die Deutschb\u00f6hminnen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das gr\u00f6\u00dfte Lob zollt der Chronist und Altlehrer Adam Krapfl den Frauen der Deutschb\u00f6hmen \u2013 bei ihm, stellvertretend, den Weidenthalerinnen. Nachdem er das Loblied der flei\u00dfigen und wetterfesten M\u00e4nner gesungen hat, schreibt er: \u201eNicht minder th\u00e4tig ist das Weidenthaler M\u00e4dchen oder die Frau. Bis Mitternacht sitzen sie am schnurrenden Spinnrad, und das Kr\u00e4hen des Hahnes findet sie schon wieder vor demselben. Ein erwachsenes M\u00e4dchen spinnt in der Regel zwei Str\u00e4hn Garn t\u00e4glich und muss dabei noch das Vieh f\u00fcttern und manchmal noch kochen helfen. Nicht selten muss das junge M\u00e4dchen, kaum den Kinderschuhen entwachsen, mit dem Bruder oder Vater in den Wald hinaus und versteht, die bauchige Holzs\u00e4ge ebenso zu f\u00fchren und der eisigen K\u00e4lte zu trotzen, wie ihr m\u00e4nnlicher Gehilfe, wenn auch Arme und H\u00e4nde krebsroth, wie abgebr\u00fcth erscheinen. Nicht selten frieren der Armen die R\u00f6cke \/Kittel\/ an den Leib an und oft kommt es vor, dass sie sich Knie und F\u00fcsse erfrieren.\u201c Man merke: Krapfl spricht von \u201cm\u00e4nnlichen Gehilfe(n)\u201c der Frauen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnerm\u00fcdlich\u201c seien die Deutschb\u00f6hminnen \u201eals Feldarbeiterin\u201c, die \u201eMassen Erd\u00e4pfel\u201c anbauen, bearbeiten und ernten. \u201eWenn im Sommer die Mannsleute sehr schwer arbeiten, so leistet das Weidenthaler Weib gewiss noch mehr. Ein Kind auf den R\u00fccken gebunden, beide H\u00e4nde mit dem Mittagessen bepackt, oft noch hochgesegneten Leibes, sieht man sie eilenden Schrittes den Berg hinankeuchen, nicht in der Lage, sich den triefenden Schweiss von der Stirne wischen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der Mann unter einem Baume sein Pfeifchen schmaucht und dabei, gem\u00fcthlich im Schatten sitzend, seine Sense tangelt, arbeitet das Weib mit ihrem Rechen das gem\u00e4hte Gras durcheinander, und es ist gewiss der M\u00fche wert, diesen flinken Heugerinnen zusehen zu k\u00f6nnen, namentlich, wenn der Himmel wolkenlos und die Sonnenstrahlen mit ganzer Kraft niedersengen auf das duftige blumige Wiesengras.\u201c(&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIst dann gegen Abend der Heuwagen beladen, n\u00e4mlich das Fuder gefasst, was die Weiber oder M\u00e4dchen thun und worauf sie auf ein \u201esch\u00f6n g\u00b4fasstes Fahrtl\u201c gro\u00dfen Werth und einen eigenth\u00fcmlichen Stolz legen, dann m\u00fcssen sie wieder im schnellsten Tempo voraus nach Hause, wo ihrer nicht etwa Ruhe und Erholung winkt, sondern neuerdings Arbeit und wieder Arbeit auf sie wartet. Die K\u00e4lber und Schweine schreien im Stalle und wollen gef\u00fcttert werden, ebenso das Gefl\u00fcgel; Gras zum Melken muss gem\u00e4ht und geholt werden, der Stall gereinigt, das Nachtmahl gekocht und, mein Gott!, das Kind liegt in der Wiege und schreit und schreit! \u2013 muss auch gestillt werden. Und kommt sie mit der Arbeit nicht flink und hurtig zu Stande, wo erwartet sie am Abend des m\u00fchevollen Tages noch ein unfreundliches Gesicht, wenn nicht gar b\u00f6se Worte von Seiten eines schroffen Ehegatten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selten kann man im noch ausdr\u00fccklich patriarchalisch gepr\u00e4gten 19. Jahrhundert so viel \u2013 und noch viel mehr &#8211; Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Frauen der Gebirgsbauern nachlesen wie bei Altlehrer Adam Krapfl in seiner Chronik von Weidenthal. Und was er um 1878-80 schreibt und beschreibt, das konnte ein aufmerksamer Beobachter noch bis 1990 in all seiner harten Urspr\u00fcnglichkeit, Urw\u00fcchsigkeit und Wahrheit in Wolfsberg oder Weidenthal, gelegentlich auch im (st\u00e4rker von seinem Umfeld beeinflussten) Alt-Sadowa, erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2017 sind es 200 Jahre, seit die Deutschb\u00f6hmen, haupts\u00e4chlich \u00a0aus dem B\u00f6hmerwald kommend, \u00a0sich in Alt-Sadowa, Weidenthal, Wolfsberg, Lindenfeld niedergelassen haben, \u2013 um nur die Ortschaften zu nennen, die erhalten geblieben sind und wo sie (Ausnahme das in den Endsechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts abgesiedelte Lindenfeld) bis 1991 in kompakten Gemeinschaften gelebt haben. W\u00e4hrend zur selben Zeit (1827-28) sich Tschechen aus dem B\u00f6hmerwald \u2013 vielfach mit deutschen Familiennamen \u2013 in einem halben Dutzend Ortschaften in den Randgebirgen der Donau beim Eisernen Tor ansiedelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Ansiedlungsjubil\u00e4um gedachte man im Konferenzsaal der Wolfsberger Pension \u201eHeidi\u201c (gef\u00fchrt vom Theresia Weinfurter &#8211; geborene Winterberger \u2013 Ihr Ehemann Peter Weinfurter ist vor einigen Jahren gestorben &#8211; die den Namen der f\u00fcr den Tourismusbetrieb in Wolfsberg entscheidenden Familie Weinfurter in Ehren halten) auf Initiative der Reschitzaer Kulturgesellschaft \u201eMetarsis\u201c. Die Eheleute Camelia und Lucian Duca haben nach 1990 in Wolfsberg mit dieser Kulturgesellschaft und der aktiven Hilfe und Unterst\u00fctzung von Wolfsbergern, die mal zur\u00fcckzukehren gedenken, wie etwa Josef Winterberger, viel initiiert, etwa den Bau des Kreuzwegs vom Pfarrhaus auf die jenseits des Wolfsbachs gelegene ehemalige Hutweide von Wolfsberg, ebenso treten sie auch aktiv ein f\u00fcr den Erhalt von Traditionen (Kirwa) Brauchtum und Trachten, Fassadenerhaltung und sie mobilisieren immer wieder Heimattreue unter den ausgewanderten Wolfsbergern, die sie zum Mitmachen bewegen (aber auch \u201eNeusiedler\u201c wie Werner Salm und Ehefrau Waltraud oder den \u2013 vor allem in Lindenfeld &#8211; sehr aktiven Helmut Kierer, auch ein \u201eNeusiedler\u201c, der in Lowrin geboren wurde).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_003.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11185\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_003-95x95.jpg\" alt=\"simp_003\" width=\"95\" height=\"95\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_006.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11186\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_006-95x95.jpg\" alt=\"simp_006\" width=\"95\" height=\"95\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_004.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11187\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_004-95x95.jpg\" alt=\"Simpozion Garana 190- 2017_004\" width=\"95\" height=\"95\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_005.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11188\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_005-95x95.jpg\" alt=\"Simpozion Garana 190- 2017_005\" width=\"95\" height=\"95\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_032.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11189\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Simpozion-Garana-190-2017_032-95x95.jpg\" alt=\"Simpozion Garana 190- 2017_032\" width=\"95\" height=\"95\" \/><\/a>Die den Deutschb\u00f6hmen gewidmeten Konferenzen veranstaltet \u201eMetarsis\u201c am ersten Samstag im August. 2017 zum dritten Mal. Und weil sich das 200. Ansiedlungsjubil\u00e4um dazu geradezu anbot, aber auch getreu der Devise: \u201eRedet nicht \u00fcber, sondern mit uns!\u201c, konnten diesmal neben dem Ethnologen Dr. Mircea Taban und dem stellvertretenden DFBB-Vorsitzenden Dr. Ing. Christian Paul Chioncel auch Vertreter der Wolfsberger\/Deutschb\u00f6hmen zu Stellungsnahmen bewegt werden. Es waren das die Erzieherin Martina Zels, geb. Winterberger und die Lehrerinnen Christine Richer (sie hat in Deutschland studiert und unterrichtet in M\u00fcnchen) und Ingeborg\/Inge Richer (die noch in Wolfsberg, bis zu ihrer Ausreise 1991, Lehrerin war). Sie waren aufgefordert, dar\u00fcber nachzudenken, warum sie allj\u00e4hrlich gern nach Wolfsberg zur\u00fcckkommen? Und was ihnen, den heute bundesdeutschen Staatsb\u00fcrgerinnen, Wolfsberg noch bedeutet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Martina Zels: \u201eWolfsberg, das Unmittelbare\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_007.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11182\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_007-107x160.jpg\" alt=\"simp_007\" width=\"107\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_007-107x160.jpg 107w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_007-109x163.jpg 109w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_007.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><\/a>\u201eIn Wolfsberg ist es still. Es gibt keine Hintergrundger\u00e4usche, wie st\u00e4ndiger Stra\u00dfenl\u00e4rm. Es herrscht wohltuende Ruhe, die mich auch innerlich zur Ruhe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wolfsberg kann ich Kr\u00e4uter pfl\u00fccken, ohne mir dar\u00fcber Gedanken zu machen, ob sie schadstofffrei sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier hab ich die Freiheit, alles und nichts zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich Entspannung brauche, lege ich mich untern Apfelbaum im Garten. Wenn ich Aktivit\u00e4t brauche, wandere ich \u00fcber die Felder, den Kreuzweg rauf. Oder ich hacke Holz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wolfsberg zu sein, hei\u00dft f\u00fcr mich, in vergangene Zeiten einzutauchen. Hier sp\u00fcr ich das damalige Leben und Arbeiten meiner Vorfahren, der Gro\u00dfeltern und Eltern. Der Rechen, mit dem Heu gemacht wurde, der schon durch viele H\u00e4nde gegangen ist und schon viele Stunden Arbeit getan hat. Das alte Spinnrad, die Rakigl\u00e4ser, der gestickte Wandsch\u00fctzer, alldas erinnert mich an das fr\u00fchere Leben und die Geschichte der Wolfsberger. Meine Geschichte wird lebendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich komme gerne hier her, weil hier das urspr\u00fcngliche Leben, das Selbstversorgen, noch so unmittelbar ist. Und mir so deutlich wird, dass es auch ein anderes Leben, weg von Gro\u00dfstadt, Industrie und Superm\u00e4rkten, geben kann. Dass mehr Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mag es, dass hier Bekannte und Freunde zusammenkommen, uns alle das Gleiche verbindet, unsere Herkunft und die Freude an Wolfsberg. Dass wir gemeinsam abends vorm Haus am Bankerl sitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich merke, dass ich gerne in Wolfsberg bin, weil mir der Abschied von diesem Ort schwer f\u00e4llt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christine Richer: \u201eWolfsberg, gelebte Freiheit\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_008.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11183\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_008-160x107.jpg\" alt=\"simp_008\" width=\"160\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_008-160x107.jpg 160w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_008-163x109.jpg 163w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_008.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/a>\u201eIch mache Urlaub in einem meiner vielen Zuhause. Wolfsberg ist Heimat f\u00fcr mich, genauso aber auch Cham, M\u00fcnchen und Regensburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wolfsberg kann ich eine andere Art von Urlaub machen, die ich jedes Jahr brauche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Leben ist durchaus sehr getaktet: Arbeit, aber auch Freizeit verlaufen nach einem bestimmten Plan. Hier kann ich mich von der Getaktheit vollkommen l\u00f6sen, in den Tag hinein leben, mich erholen und neue Kraft sammeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wolfsberg kann viel von dem, was ich f\u00fcr mich als Freiheit definiere, gelebt werden. Dazu z\u00e4hlen das Begehen von Wegen, auch Wanderwegen, die nicht beschildert sind. Bevor wir uns allein auf den Weg zu verschiedenen Orten gemacht haben, waren es unsere Eltern, aber auch Ortskundige, die uns mitgenommen haben. Oder uns die richtigen Wege zu den verschiedenen Ausflugszielen erkl\u00e4rt haben. Zu unserer Freiheit geh\u00f6rt auch, Lagerfeuer machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei unseren Wanderungen gehen wir die Wege, die unsere Vorfahren gegangen sind. F\u00fcr meine Vorfahren waren das Arbeitswege. F\u00fcr uns sind es Wege, die wir bewusst gehen, die wir deshalb auch geniessen. Als ich meiner Oma in Deutschland erz\u00e4hlte, ich h\u00e4tte in Wolfsberg einen Wanderausflug auf die Cuca-Spitze gemacht, meinte sie entsetzt: `Nie mehr w\u00fcrde ich da hinten hin gehen wollen!` F\u00fcr sie waren es eben schwere Arbeitswege, mit der Bucklkraxen oder einem Kind auf dem R\u00fccken, mit vollgepackten H\u00e4nden. Trotzdem: jedes Jahr, wenn ich aus Wolfsberg nach Deutschland zur\u00fcckkehre, muss ich mich zu Oma setzen und ihr von Wolfsberg erz\u00e4hlen. Und jedesmal fragt sie: `Bist du auch auf unsere Felder gegangen?` Wenn ich das bejahe, erstrahlt ihr Gesicht vor Freude.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ingeborg Richer: \u201eWolfsberg \u2013 Freiheit und Pflicht\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_010.jpg\" rel=\"lightbox[11179]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-11184\" src=\"http:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_010-107x160.jpg\" alt=\"simp_010\" width=\"107\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_010-107x160.jpg 107w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_010-109x163.jpg 109w, https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/simp_010.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><\/a>\u00a0<\/strong>\u201eSeit ich mit meiner Familie 1991 nach Deutschland umgesiedelt bin, komm ich einmal im Jahr nach Wolfsberg. Warum ich komme? Ich habe immerhin fast 30 Jahre hier gelebt, deshalb ist Wolfsberg Heimat f\u00fcr mich. Genauso ist aber auch Deutschland Heimat f\u00fcr mich geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfsberg ist Heimat f\u00fcr mich, weil ich hier geboren bin, also meine Wurzeln hier habe, meine Kindheit und Jugend hier verbrachte. Hier habe ich auch meinen Mann kennengelernt und meine Familie gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mich f\u00fcr mein Leben gepr\u00e4gt hat, war meine Kindheit hier, die nicht mehr mit einer heutigen Kindheit zu vergleichen ist. Meine Kindheit hatte zwei Komponenten. Zum einen die absolute Freiheit. Zum anderen die Aufgaben und Pflichten, die erf\u00fcllt werden mussten, damit jegliche Selbstversorgung der Familie gesichert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Absolute Freiheit war f\u00fcr mich das Spielen mit den Nachbarskindern, wobei wir die Spiele selbst erfunden haben und hierf\u00fcr selbst Spielzeug aus Alltagsgegenst\u00e4nden hergestellt haben \u2013 drau\u00dfen, im Freien, aber auch drinnen. Als Kinder wurden wir nicht auf Schritt und Tritt beaufsichtigt, daf\u00fcr konnten sich die Erwachsenen vom Fr\u00fchjahr bis im Herbst aufgrund der Arbeiten, die s\u00e4mtlich erledigt werden mussten, einfach keine Zeit nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgaben und Pflichten f\u00fcr Kinder und Jugendliche gab es zur Gen\u00fcge. Vormittags war Schule, danach Arbeiten im Haushalt, Stall und Garten oder auf den Feldern. Eine gro\u00dfe Rolle spielte das H\u00fcten des Viehs. Ganz wichtig waren die Heuernte, die Kartoffelarbeit im Fr\u00fchjahr und die Ernte derselben im Herbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schulischen Angelegenheiten widmete man sich abends.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Jugendliche habe ich nicht nur f\u00fcr die Selbstversorgung einen wichtigen Beitrag geleistet, sondern auch f\u00fcr die Dorfgemeinschaft. Ausgleich zur schweren Arbeit fand ich im aktiven Mit-Erleben und \u2013Gestalten unserer Traditionen, des Brauchtums. Das waren kirchliche Feste \u2013 sehr wichtig das Kirchweihfest, weil dieses (gegen Ende Oktober, meist kurz vor oder schon w\u00e4hrend dem ersten Schneefall) bei uns auch den Abschluss des gesamten Arbeitsjahres bedeutete: man war dankbar f\u00fcr das, was man ernten konnte. Sehr sch\u00f6n waren aber auch die B\u00e4lle und vor allem die Hochzeiten. Hochzeiten wie hier habe ich in ihrer Einzigartigkeit seither nie mehr erleben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heimat ist mir Wolfsberg auch, weil ich meinen Kindern hier eine erste Heimat gegeben habe. Wenn auch nur f\u00fcr drei bzw. sechs Jahre, damals, vor dem Umzug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich komme immer wieder hierher, weil das Heimatgef\u00fchl der Kindheit und Jugend bei mir noch vorhanden ist. Es ist in Form von Erinnerungen pr\u00e4sent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Komponenten von Freiheit und Pflicht, die mir in der Kindheit und Jugend anerzogen wurden, begleiten mich heute noch, in abgeschw\u00e4chter Form. Die Pflicht, mein Elternhaus zu erhalten, die Freiheit, hier Ruhe, Erholung und Entspannung zu finden in einer wunderbaren Gegend mit guter Luft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerne komme ich immer wieder nach Wolfsberg zur\u00fcck.\u00a0Unvorstellbar scheint es mir heute, f\u00fcr immer hierher zur\u00fcckzukehren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSo wenig Einladendes das Dorf an und f\u00fcr sich hat, so liebt es der Weidenthaler mit seltener Anh\u00e4nglichkeit, und es ist eher eine Zuwanderung als eine Wegwanderung zu verzeichnen\u201c, schreibt einer der Chronisten von Weidenthal, Altlehrer Adam Krapfl (die anderen beiden konsekrierten Chronisten waren Peter Gra\u00dfl und Josef Schmidt), der seine Pensionszeit, nach langj\u00e4hriger Lehrert\u00e4tigkeit in Weidenthal, in Ternitz in Nieder\u00f6sterreich verbrachte und seine Chronik 1880 abschloss.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[686],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11179"}],"collection":[{"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11179"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11179\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semndecarte.metarsis.ro\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}